Der Malermeister hat sein bestes Jahr hinter sich. Die Fassaden-Referenz aus dem Frühjahr, das Treppenhaus mit dem venezianischen Putz, der Wintergarten des Zahnarztes: alles fotografiert, alles auf die Website geladen. 47 Bilder, jedes direkt vom iPhone, jedes zwischen 4 und 12 Megabyte gross.
Das Ergebnis ist eine Referenzgalerie, die stolz macht, und eine Website, die Google als langsam einstuft. Auf dem Smartphone lädt sie 8 Sekunden. 53 % aller Nutzer verlassen eine Website, die länger als 3 Sekunden braucht. Der potenzielle Kunde ist weg, bevor er auch nur ein einziges Foto gesehen hat.
Das ist kein Einzelfall. Praktisch jede Handwerker-Website mit eigenen Referenzfotos hat dasselbe Problem, ob Gipser, Gartenbauer, Glaser oder Fliesenleger. Und es ist eines der wenigen Probleme, das sich vollständig beheben lässt, ohne einen neuen Text zu schreiben oder die Website neu zu gestalten.
1. Die Smartphone-Falle: Rohdaten direkt auf den Server
Was passiert: Das iPhone 15 Pro schiesst Fotos mit bis zu 48 Megapixeln. Eine fertige Badbeschichtung oder eine neu verlegte Terrasse braucht auf einer Website nie mehr als 1.200 bis 1.500 Pixel Breite. Trotzdem landen die Originaldateien ungekürzt auf dem Server, weil das Hochladen genauso schnell geht wie das Verschicken per WhatsApp.
Was das kostet: Ein 10-MB-Bild, das auf einem Desktop-Bildschirm 800 Pixel breit dargestellt wird, überträgt die 10-fache Datenmenge, die tatsächlich benötigt wird. Wer 20 solcher Fotos auf einer Referenzseite hat, zwingt den Besucher, 200 MB zu laden, bevor die Seite fertig ist.
Was dagegen hilft: Jedes Bild vor dem Upload auf maximal 1.500 Pixel Breite verkleinern. Kostenlose Tools wie Squoosh (im Browser, kein Download nötig) oder die macOS-Vorschau erledigen das in Sekunden. Zielgrösse pro Bild: unter 200 KB.
2. Das falsche Bildformat
Was passiert: JPEG ist seit den 1990er Jahren der Standard. Es ist nicht schlecht, aber veraltet. Das moderne Format WebP liefert bei gleicher Bildqualität 25 bis 35 % kleinere Dateien. Das noch neuere AVIF spart nochmals 20 % gegenüber WebP. Beide Formate werden von allen modernen Browsern unterstützt.
Was das kostet: Wer weiterhin JPEG hochlädt, verschenkt ohne Aufwand ein Drittel der möglichen Geschwindigkeit. Bei einer Galerie mit 30 Bildern entspricht das mehreren Megabyte unnötiger Ladezeit pro Seitenaufruf.
Was dagegen hilft: Bilder beim Komprimieren direkt als WebP exportieren. Squoosh konvertiert JPEG zu WebP per Klick. Wer ein WordPress-CMS nutzt, installiert einmalig ein Plugin wie ShortPixel oder Imagify, das bestehende und neue Bilder automatisch konvertiert.
3. Kein Lazy Loading
Was passiert: Standardmässig lädt ein Browser alle Bilder einer Seite sofort beim Aufruf, egal ob sie sichtbar sind oder nicht. Ein Besucher, der oben auf der Referenzseite landet, löst damit sofort das Laden der Fotos ganz unten aus. Er sieht diese Fotos vielleicht nie, weil er die Seite vorher schliesst.
Was das kostet: Jeder Seitenaufruf lädt die gesamte Bildlast in vollen Umfang. Das verlangsamt den ersten sichtbaren Inhalt, was direkt auf die Google-Bewertung der Seite einzahlt.
Was dagegen hilft:
Das HTML-Attribut loading="lazy" am <img>-Tag teilt dem Browser mit, Bilder erst zu laden, wenn sie in den sichtbaren Bereich scrollen. Eine Zeile Code, die kein Fachwissen voraussetzt. Wer eine Website-Plattform wie WordPress, Squarespace oder Wix nutzt, hat diese Funktion meist als Einstellung im Media-Bereich.
4. Keine Bildgrössen für verschiedene Geräte
Was passiert: Ein Fliesenleger-Foto, das auf einem 27-Zoll-Monitor 1.400 Pixel breit angezeigt wird, braucht auf einem iPhone-Bildschirm nur 390 Pixel. Trotzdem lädt die Website ohne weiteres Zutun dieselbe grosse Datei, unabhängig davon, ob jemand am Schreibtisch sitzt oder auf der Baustelle am Handy nachschaut.
Was das kostet: Über 60 % der Handwerker-Website-Besuche kommen heute von Mobilgeräten. Das bedeutet: die Mehrheit der Besucher lädt permanent Bilder, die drei- bis viermal grösser sind als nötig.
Was dagegen hilft:
Das HTML-Attribut srcset gibt dem Browser mehrere Bildgrössen zur Auswahl, er wählt automatisch die passende. Ein Webentwickler setzt das einmalig auf, danach läuft es automatisch. Wer eine moderne Website-Plattform nutzt, prüft, ob „Responsive Images” aktiviert ist, viele Systeme bieten das als Häkchen in den Einstellungen.
5. Keine Bildkomprimierung nach dem Upload
Was passiert: Selbst wer seine Fotos vor dem Upload verkleinert, lässt oft Komprimierungspotenzial auf dem Tisch liegen. Ein 200-KB-JPEG lässt sich durch verlustfreie oder leicht verlustbehaftete Komprimierung häufig auf 80 bis 120 KB reduzieren, ohne dass ein menschliches Auge den Unterschied erkennt.
Was das kostet: Nichts Sichtbares, aber spürbare Ladezeit. Auf einer Seite mit 15 Bildern summiert sich die Differenz auf ein bis zwei Sekunden Ladezeit, die Google messen und bewerten.
Was dagegen hilft: Einmalig alle bestehenden Website-Bilder durch einen Kompressor wie TinyPNG, Squoosh oder einen Optimierungs-Plugin laufen lassen. Danach neue Fotos immer zuerst komprimieren, dann hochladen. Das ist kein Workflow-Wechsel, sondern ein zusätzlicher Klick.
Fazit: Die Galerie darf schön sein, sie muss nur schnell laden
Referenzfotos sind das stärkste Verkaufsargument eines Handwerksbetriebs. Kein Text ersetzt das Vorher-Nachher-Foto einer frisch gestrichenen Altbaufassade oder einer neu gelegten Natursteintetrasse. Der Fehler liegt nicht darin, viele Bilder zu zeigen. Er liegt darin, diese Bilder unoptimiert zu zeigen.
Wer heute eine Stunde investiert, alle bestehenden Fotos zu komprimieren und ins WebP-Format zu konvertieren, verbessert seine Google-Bewertung, senkt die Absprungrate und sorgt dafür, dass der Kunde auf der Baustelle mit schlechtem Empfang die Referenzen noch sehen kann.
Das kostet keinen Franken und kein technisches Vorwissen, nur ein bisschen Zeit.